Momente

Ich beobachte das entspannte Gesicht von Lorenzo, der soeben eingeschlafen ist, in all seinen wunderbaren Details:

Der leicht geoeffnete Mund, der die Zaehne durchblicken laesst.

Die Lippen, noch feucht vom Stillen, mit einigen Milchtropfen an einem Mundwinkel.

Er erinnert an einen kleinen zufriedenen Vampir nach der Mahlzeit.

Die runden Wangen, wie ausgestopft.

Die Nase, in perfekter Harmonie mit dem Rest der Landschaft.

Die Augen, auch sie leicht geoeffnet, hinter den Schlitzen die unbeweglichen Pupillen, geschmueckt mit langen, weichen Wimpern.

Die Augenlider mit ihren winzigen Venen, die an Landstrassen erinnern. Und gleich darueber die zerzausten Augenbrauen, die ueber die Augen wachen.

In diesem Moment macht er mit dem Mund Saugbewegungen und jetzt hat er ihn geschlossen, und so auch die Augen.

Auf der glatten Stirn ruhen die Fransen in grosser Unordnung und zeugen zusammen mit dem Rest der Haare von einem spielerfuellten Tag.

(15.11.96)

© Ulrike Schmidleithner


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