Ein Kleinkind stillen - warum?


Von Katherine Dettwyler PhD
Sektion Anthropologie der A und M Universität, Texas, USA

Originaltitel des Textes: "Why Nurse Toddlers" (der Text wurde urspruenglich fuer eine Mailingliste fuer stillende Muetter verfasst).

Ich werde jetzt nicht noch einen langen Auszug aus dem anderen Kapitel (das über das Abstillen) meines Buches posten. In diesem Kapitel werden aber viele Beweise aufgeführt, die darauf hindeuten, dass sich das "natürliche" Abstillalter beim Menschen zwischen zweieinhalb und sieben Jahren bewegen würde, wenn wir nicht von diversen kulturellen Vorstellungen ueber die Stilldauer beeinflusst waeren.

Ich habe mir viele unterschiedliche Daten dazu angeschaut und das absolute Minimum der natuerlichen Stilldauer betrug zweieinhalb Jahre.

Alle bisherigen Studien über die gesundheitlichen Vorteile des Stillens zeigen weitere Vorteile sowie steigende IQ-Werte bis zur Erreichung des zweiten Geburtstags.

Und was ist mit dem Stillen über das zweite Jahr hinaus? Dazu gibt es noch keine Untersuchungen. Aber es ist schwer vorstellbar, dass die ganzen Ernährungs- sowie immunbiologischen Vorteile, die langkettigen mehrfach-ungesättigten Fettsäuren, von denen man annimmt, das sie für die steigenden IQ-Werte verantwortlich sind, plötzlich am Tag nach dem zweiten Geburtstag des Kindes verschwinden sollen!

Also, wenn man will, erzähle man seiner Schwiegermutter beim nächsten Besuch, dass "die wissenschaftliche Forschung eines Professors an der Texas A&M zeigt, dass unsere Kinder (von Gott oder von der Evolution, je nachdem, woran man glaubt) so modelliert wurden, dass sie sich "erwarten", zweieinhalb bis sieben Jahre gestillt zu werden."

Ich erlebe, dass oft kritische Verwandte, Freunde, Nachbarn und sogar Fremde Schwierigkeiten haben, einer solchen Aussage etwas entgegenzusetzen. Vielleicht ist es unfair, das wir nicht einfach sagen können, "Ich erziehe mein Kind so, wie ich es fuer richtig halte", und dass das von anderen respektiert wird. Aber die Leute zeigen normalerweise mehr Achtung vor Ärzten und der "wissenschaftlicher Forschung", und so entfernt sich das Thema von der persoenlichen Ebene, als etwas, was man nur macht, um "anders" zu sein (in ihren Augen), und naehert sich dem, was von der wissenschaftlichen Forschung als das beste Vorgehen empfohlen wird.

Ich kenne einige Leute, die unkooperativen Verwandten und Freunden erklärt haben, der Kinderarzt hätte ihnen gesagt, das Kind würde das Stillen noch brauchen. Denn der Kinderarzt ist ja dann nicht greifbar, um mit ihm darueber zu diskutieren, und die meisten Leute respektieren den Entschluss, den Empfehlungen des Arztes zu folgen.

Was ich auch schon gesagt habe, wenn mich jemand angesprochen hat - und ich stille ein fast vier Jahre altes Kind, wenn auch mit der vollen Unterstützung von Familie und Freunden - ist "Tja, Sie wissen ja, er wird jeden Tag immer nur einen Tag älter. Wenn er es gestern gebraucht hat, dann wird er es wohl heute auch noch brauchen." Vielleicht hilft auch Humor, so etwas wie: "Er wird wohl nicht mehr an der Brust trinken wenn er in den Kindergarten kommt, aber falls doch, muss ich mich mit ihm wohl in der Pause treffen." Oder Du kannst es damit versuchen, dass alle Kinder ja unterschiedlich sind und nicht die gleichen Bedürfnisse haben. Manche Kinder brauchen es, laenger gestillt zu werden und man versuche einfach nur den Bedürfnissen seines Kindes gerecht zu werden.

Man weise auch darauf hin, dass, wenn man jetzt abstillen würde, und das Kind hätte weiterhin das Beduerfnis zu saugen, die Gefahr bestehen würde, dass das Kind an den Fingern oder am Daumen zu lutschen beginnt, was zu kieferorthopädischen Problemen führen kann.

Betone auch, dass Muttermilch eine vollwertige und ausgewogene Nahrung ist, viel besser für Menschenkinder als Kuhmilch. Kuhmilch kann Allergien ausloesen oder zu Verdauungsproblemen fuehren. Man ziehe es vor, seinem Kind eher Muttermilch zu geben als Kuhmilch, Apfelsaft, Cola oder Limonade.

Wenn ich von Ärzten höre, die Müttern das Abstillen empfehlen, damit das Kind mehr feste Kost isst, habe ich immer Lust die Ärzte zu fragen, an welche Nahrungsmittel sie dabei wohl denken, die vom Nährwert und von den immunologischen Eigenschaften her besser sein sollen als Muttermilch. Ich meine - reden wir hier etwa über Hotdogs?

Meine Familie hat mich immer sehr unterstützt. Dazu gehört auch meine wunderbare Schwiegermutter, die in den 40er und 50er Jahren, als es nicht modern war, ihre Kinder gestillt hat. Sie hat immer unsere Entscheidungen als Eltern unterstützt und ist einfach ein rundum toller Mensch. Ich fuehle mit jenen Muettern, die versuchen mit Verwandten auszukommen, die einen nicht unterstützen. Ich hoffe, die Liste kann Euch viele gute Anregungen geben.

Copyright © Katherine Dettwyler PhD
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Uebersetzung von Anne Koenen


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