"Muttermilchernährung und Stillen eines Extrem-Frühchens"
oder
"Johannas Stillsternstunde"
oder
"Wie aus einem stilluninteressierten mangelversorgten Extrem-frühchen eine stillbegeisterte wohlgenährte Minimaus wurde"




1. Teil

Hanna lacht - ein Jahr alt

Hallo allerseits! Ich heisse Johanna Elisabeth. Geboren werden sollte ich eigentlich erst am 8. November 1998, zumindest war dies mein sogenannter errechneter Geburtstermin...aber es kam anders als geplant...

Unsere letzten Tage in inniger körperlicher Verbundenheit

Leider wurde meine Versorgung nach gut fünf Monaten in meiner wohligen Höhle in Mamas Bauch immer schlechter. Ich musste mich, bedingt durch eine heftige Gestose, die schleichend bei meiner Mama mit starken Wassereinlagerungen in Handgelenken und Knöcheln und Nierenschmerzen begann, mit immer weniger Nahrung durch diesen Schlauch, den man Nabelschnur nennt, begnügen. Also beschloss ich, als es wirklich nicht mehr so weiter ging, und ich schon ziemliches Magenknurren durch diese strenge Diät hatte, mich einfach nicht mehr so doll zu bewegen wie sonst, damit die Mama mal merkte, dass hier drin etwas nicht mehr so ganz stimmte. Hungerschreie machten ja hier wenig Sinn im Fruchtwasser!!!

Mama wurde dann auch in der Nacht zum 26. August sehr unruhig, weil ich mich so still verhielt, und ich sie nicht wie gewohnt zum Einschlafen mit kleinen Turnübungen beglückte. Sie setzte sich auf die Couch und sagte mir, dass sie erst wieder schlafen gehen würde, wenn ich mich gerührt hätte. Naja, ich habe sie dann noch 'ne Weile zappeln lassen, um ihr den Ernst der Lage klarzumachen, während sie sorgenvoll ihre Babybücher wälzte. Gegen drei Uhr nachts hatte ich dann ein Einsehen und gab ihr einen Knuffer zur Beruhigung, damit sie sich noch ein bisschen ausruhen würde für den nächsten Tag.

Am nächsten Morgen beim Frauenarzt versetzte ich der Arzthelferin dann einen Schreck, denn sie konnte meine Herztöne für das CTG nicht finden... der Arzt konnte dann mit Ultraschallgerät aber mein Herzchen schlagenderweise erkennen, und sie schrieben mit Ach und Krach ein halbwegs lesbares CTG von meiner Herztonaktivität. Rühren konnte ich mich da allerdings kaum noch, denn meine Versorgungsleitung liess nicht mehr viel durch. Auf dem Ultraschall erkannte der Arzt schnell, dass ich nicht mehr gewachsen war in den letzten zwei Wochen und schätzte mein Gewicht durch Ausmessen auf 1600 Gramm. Mamas Blutdruck war leicht erhöht (145/105), sie war total aufgeschwemmt und hatte Eiweiss im Urin. So riet er ihr, doch einige Tage zur Überwachung in sein Krankenhaus zu kommen (eine kleine Frauenklinik ohne Kinderklinik).

Zuhause angekommen und nach einer Familienkonferenz mit meiner Oma, meiner Tante und meinem Papa wurde beschlossen, dass wir in die Uniklinik fahren würden, da eh geplant war, dass ich dort einige Monate später zur Welt kommen sollte...

... dort war Mamas Blutdruck dann auf 220/120, ihr war schwindlig und ich wurde mittels DauerCTG überwacht. Mama wurde gar nicht auf Station gebracht, sondern in einer Wachstation rund um die Uhr beobachtet, und meine Aktivitäten bzw. Passivitäten mittels CTG begutachtet. Man gab Mama abends dann die erste Cortisonspritze, damit meine Lungenreifung beschleunigt werde sollte. Am nächsten Abend sollte dann die nächste Spritze erfolgen.

Nach einem Reistag "zur Entwässerung" der nach dem heutigen Kenntnisstand über die Behandlung von EPH-Gestosen mit HELPP-Syndrom eher als nicht so günstig zu bewerten ist (man kann bei Gestosen wohl einiges über eine entsprechende Diät bewirken, fragt meine Mama, die hat mittlerweile einiges zu diesem Thema gelesen), sackten meine Herztöne immer öfter ab. Nach diesem Tag zwischen Hoffen und Bangen (Mama hoffte immer noch, dass sich unser Zustand stabilisieren würde und wir noch einige Wochen zusammen bleiben würden, um dann nach einer ambulanten Geburt gemeinsam nach Hause zu fahren) begann dann gegen Abend des 27. August das Bangen, denn direkt, nachdem mein Papa nach Hause gefahren war, wurde beschlossen, dass ich noch an diesem Tag das Licht der Welt erblicken sollte. Meine Herztöne wurden immer schlechter, und Mamas Blutwerte waren mittlerweile sehr grenzwertig, und so wurde Papa wieder angerufen, er solle bitte wieder zurückkommen. Für 21.45 Uhr wurde meine Geburt festgelegt, und da die Gerinnungswerte in Mama's Blut so mies waren, wurde ein Notkaiserschnitt geplant. Mama hat dadurch ein bleibendes Andenken an meine Geburt in Form einer superlangen Narbe vom Nabel bis zum Schambein...

Einerseits war ich ja irgendwie froh, aus meiner Höhle zu entkommen, denn die Versorgung liess wirklich sehr zu wünschen übrig, andererseits war es bei Mama immer so kuschelig und geborgen gewesen... egal, wir waren nun beide in der Hand dieser Ärzte und mussten ihren Entscheidungen vertrauen und wer weiss, wie es uns beiden vor einigen Jahrzehnten noch ergangen wäre!!!

Wie ich das Licht der Welt erblickte und es mit mir weiterging, lest ihr hier:

Meine Geburt und die ersten Wochen auf der Frühchenintensivstation





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