Zufuettern von fester Nahrung


Autor: Dr. Jack Newman MD FRCPC
Originaltitel: "Die Beikost "

Muttermilch ist alles was das Baby mindestens in den ersten vier Lebensmonaten braucht. Die meisten Babys gedeihen nur mit Muttermilch sehr gut bis zum Alter von sechs Monaten oder laenger.

Warum sollte man mit dem Zufuettern von fester Nahrung beginnen?

  • Weil die Zeit kommt, in der die Muttermilch alleine nicht mehr ausreicht, um dem Baby alle notwendigen Naehrstoffe zu geben. (Das bedeutet nicht, wie einige falsch informierte Leute sagen, dass die Muttermilch keinen Naehrwert mehr hat, wenn das Kind sechs Monate alt ist.) Ein Baby, das reif auf die Welt gekommen ist, braucht normalerweise ab dem sechsten bis neunten Monat zusaetzliches Eisen aus anderen Nahrungsquellen. Die Kalorien, mit denen die Muttermilch das Baby versorgt, reichen normalerweise ab dem Alter von 8 bis 9 Monaten nicht mehr aus, wenn auch einige voll gestillte Babys bis ueber das erste Lebensjahr hinaus gut gedeihen.

  • Weil einige Babys, die nicht in einem gewissen Alter (9-12 Monate) damit beginnen, feste Nahrung zu essen, spaeter grosse Schwierigkeiten haben, diese zu akzeptieren.

  • Weil es ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung des Kindes ist, wenn es feste Nahrung zu essen beginnt. Es ist ein Zeichen, dass es groesser wird. Normalerweise geht das Interesse fuer feste Nahrung vom Baby aus. Aus welchem Grund sollte man sie ihm vorenthalten?

Wann sollte man mit dem Zufuettern von fester Nahrung beginnen?

Der ideale Zeitpunkt ist, wenn das Baby beginnt, Interesse an fester Nahrung zu zeigen. Einige Babys beginnen im Alter von vier Monaten, sich sehr an den Speisen im Teller der Eltern zu interessieren. Im Alter von 5 oder 6 Monaten strecken die meisten Babys ihre Haendchen nach dem Essen, das sich in den Tellern ihrer Eltern befindet, aus und versuchen, es in die Hand zu nehmen. Das scheint ein vernuenftiger Zeitpunkt zu sein, um mit dem Zufuettern von fester Nahrung zu beginnen. Es gibt wirklich keinen Grund, mit der festen Nahrung an einem vorgeschriebenen Datum zu beginnen (mit vier Monaten oder mit sechs Monaten). Man richte sich dabei nach dem Baby.

In einigen Faellen ist es angebracht, frueher damit zu beginnen, feste Nahrung zu geben. Wenn es scheint, dass das Baby hungrig ist oder die Gewichtszunahme nicht zufriedenstellend ist, kann es ratsam sein, schon im Alter von drei Monaten mit der Zugabe von fester Nahrung zu beginnen. Es ist jedoch moeglich, dass die Mutter weiterhin voll stillen kann, das Baby satt wird und/oder besser waechst, indem der Mutter dabei geholfen wird, ihre Stillprobleme zu loesen. Wenn jedoch alle Anstrengungen, die unternommen werden, um die Stillprobleme zu loesen, keine Besserung bringen, kann das Zufuettern von fester Nahrung eine Hilfe sein. Es bringt keinerlei Vorteile, dem Baby Flaschenmilch zu geben, im Gegenteil, es kann sogar nachteilige Auswirkungen haben. Es kann vorkommen, dass ein Baby, das mit der Muttermilch alleine nicht satt wird, mehr und mehr aus der Flasche trinkt und letztendlich die Brust ganz verweigert.

Gestillte Babys verdauen feste Nahrung besser und schneller als mit der Flasche gefuetterte Babys, da die Muttermilch Enzyme enthaelt, die die Verdauung von Fetten, Proteinen und Kolehydraten unterstuetzt. Ausserdem haben gestillte Babys schon eine grosse Auswahl an Geschmaeckern kennengelernt, da der Geschmack vieler Nahrungsmittel, die die Mutter zu sich nimmt, in ihre Milch uebergeht. Gestillte Babys akzeptieren daher feste Nahrung eher als flaschengefuetterte. Die Muttermilch ist eine wunderbare Sache, nicht wahr?

Wie sollte man bei der Einfuehrung von fester Nahrung vorgehen?

Wenn das Baby im Alter von ca. 5 oder 6 Monaten mit der festen Nahrung beginnt, macht es nicht viel aus, welche Nahrungsmittel es zuerst isst, oder in welcher Reihenfolge diese eingefuehrt werden. Vorsichtshalber sollte man anfangs stark gewuerzte und hoch allergiegefaehrdende Nahrungsmittel (z.Bsp. Eiklar, Erdbeeren) meiden. Wenn aber das Baby nach der Kartoffel im Teller der Eltern greift, sollte man sich nur vergewissern, dass sie nicht zu heiss ist, und sie dem Baby geben. Es besteht kein Grund dazu, Nahrungsmittel in einer bestimmten Reihenfolge anzubieten und es ist auch nicht notwendig, dass man dem Baby immer nur ein Nahrungsmittel fuer eine bestimmt Zeit gibt. Einige voll gestillte Babys moegen Getreidebrei nicht, wenn er ihnen im Alter von fuenf oder sechs Monaten zum ersten Mal angeboten wird. Man braucht sich in diesem Fall keine Sorgen zu machen und es ist nicht notwendig, darauf zu bestehen, dass es den Getreidebrei isst. Es ist nichts Magisches in diesen Babybreien, und sie sind nicht unbedingt notwendig. Man biete dem Baby die Lebensmittel an, an denen es interessiert ist. Man erlaube ihm, die Nahrung zu geniessen und man mache sich keine Sorgen, wieviel genau es anfangs isst. Es kann sein, dass der Grossteil davon in seinem Haar oder auf dem Boden endet. Es ist auch nicht notwendig, die Speisen zu puerieren, wenn das Baby fuenf/sechs Monate oder aelter ist. Es genuegt, alles mit einer Gabel zu zerdruecken. Anfangs braucht man auch nicht uebermaessig darauf zu achten, wieviel das Baby isst. Warum sollte man ihm nur einen Teeloeffel davon geben, wenn es mehr moechte? Man braucht sein Geld nicht fuer Fertigbabykost zu verschwenden.

Man sollte versuchen, entspannt zu sein, das Baby zu den Essenszeiten der Familie fuettern, und ihm, sobald es ein geuebter Esser geworden ist, eine groessere Auswahl von Nahrungsmittel anbieten, wann immer es dazu bereit ist.

Fleisch ist die beste Eisenquelle fuer ein fuenf oder sechs Monate altes Baby. Babyfertigkost enthaelt Eisen, aber dieses wird schlecht absorbiert und kann zu Verstopfungen fuehren.

Es besteht kein Grund, Gemuese vor dem Obst einzufuehren. Muttermilch ist weit suesser als Obst, es hat daher keinen Sinn, sich zu denken, dass das Baby Gemuese eher akzeptiert, wenn man das Obst zu einem spaeteren Zeitpunkt anbietet.

Man respektiere die Neigungen und Abneigungen des Babys. Es gibt kein bestimmtes Nahrungsmittel, das unersetzbar und lebensnotwendig ist (ausser Muttermilch). Wenn das Baby ein gewisses Nahrungsmittel nicht mag, sollte man es nicht zum Essen zwingen. Wenn man jedoch glaubt, dass es fuer das Baby wichtig ist, sollte man einige Wochen abwarten bevor man es nochmals anbietet.

Mit ungefaehr acht Monaten beginnen Babys ihre Individualitaet mit Nachdruck an den Tag zu legen. Es kann dann vorkommen, dass es sich wehrt, wenn man ihm einen Loeffel in den Mund schiebt. Sehr wahrscheinlich wird es das Essen aus der Hand des Erwachsenen nehmen und es sich selbst in den Mund schieben, oft so ungeschickt, dass es ihm in den Schoss faellt. Man sollte seine Bemuehungen zur Selbststaendigkeit und seine Lernversuche unterstuetzen und es dazu ermutigen.

Kann ich meinem drei Monate alten Baby feste Nahrung zufuettern?

In diesem Alter sollte man etwas vorsichtiger vorgehen. Man beginne mit Getreidebrei fuer Babys oder, einfacher, mit zerdrueckter Nahrung, zum Beispiel eine Banane. Manchmal isst ein Baby lieber vom Finger eines Erwachsenen, als von einem Loeffel. Man sollte auch mit den Mengen etwas langsamer vorgehen. Wenn das Baby jedoch die feste Nahrung toleriert, koennen sowohl die Menge als auch die Vielfalt der Nahrung gemaess dem Bedarf des Babys gesteigert werden. Uebrigens, aus welchem Grund will man schon im Alter von drei Monaten zufuettern!?

Was sollte man bei den Mahlzeiten zuerst anbieten - die Brust oder die feste Nahrung?

Es scheint, dass sich viele Muetter, wenn sie mit dem Zufuettern von fester Nahrung beginnen, grosse Sorgen machen, ob sie zuerst die Brust geben sollen, oder die feste Nahrung. Wenn sowohl das Stillen als auch das Zufuettern von fester Nahrung problemlos verlaeuft, ist es wahrscheinlich nicht so wichtig, was man zuerst gibt. Es besteht auch kein Grund dafuer, dass das Baby bei jeder Mahlzeit beides, sowohl Muttermilch als auch feste Nahrung bekommt.

Letzter Stand: Jaenner 98

Copyright Jack Newman MD FRCPC
Dieser Artikel kann fuer den persoenlichen Gebrauch ohne weitere Genehmigung ausgedruckt und unbegrenzt ausgeteilt werden; Fuer die Verwendung in anderen Publikationen setze man sich bitte mit dem Autoren in Verbindung: newman(at)globalserve.net

Uebersetzung von - Ulrike Schmidleithner
Die Originalseite in englisch findet man hier.


Mappe home Index Newman Dettwyler Autoren Stillkultur Stillerfahrungen

Ulrike Schmidleithner    info(at)uebersstillen.org
Alle Rechte vorbehalten
1999 - 2013