Vorurteile rund ums Stillen


Autor: Dr. Jack Newman MD FRCPC
Originaltitel: "Breastfeeding Myths"

  1. Viele Frauen haben nicht genug Milch
    Falsch! Der Grossteil der Frauen hat Milch in ausreichender Menge. Tatsache ist, dass eine Ueberproduktion haeufig vorkommt. In vielen Faellen, wo ein Neugeboreres nur langsam zunimmt oder sogar an Gewicht verliert, haengt das nicht mit einer ungenuegenden Milchproduktion zusammen, sondern der Grund dafuer ist, dass dieses Baby nicht gut zu der zur Verfuegung stehenden Milch kommt. Meistens deshalb, weil es nicht korrekt an der Brust trinkt. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass der Mutter gleich am Tag der Entbindung von einer erfahrenen Person gezeigt wird , wie man das Neugeborene richtig an die Brust anlegt.

  2. Es ist normal, dass Stillen schmerzhaft ist
    Falsch! Abgesehen von einem leichten Schmerz waehrend der ersten Tage, was haeufig vorkommt, und der nur voruebergehend (wenige Tage) und niemals so stark sein sollte, dass die Mutter Angst vor dem Stillen hat. Jeder Schmerz, der nicht nur ganz leicht ist, ist nicht normal, und fast immer ein Warnzeichen, dass das Baby nicht richtig angelegt ist. Ein eventueller Schmerz an den Brustwarzen, der sich nicht innerhalb von 3 oder 4 Tagen bessert oder laenger als 5-6 Tage dauert, darf nicht ignoriert werden. Wenn die Brustwarzen zu schmerzen beginnen, nachdem die Mutter schon laengere Zeit problemlos gestillt hat, koennte das auf eine Pilzinfektion an der Brustwarze hinweisen. Der Stillfrequenz ein Limit zu setzen beugt Brustwarzenschmerzen nicht vor. (siehe Wunde Brustwarzen).

  3. In den ersten 3 oder 4 Tagen nach der Entbindung ist keine (oder nicht genuegend) Milch vorhanden
    Falsch! Oft scheint es so, weil ein Neugeborenes nicht richtig an die Brust angelegt wird und daher nicht zur Milch kommt. Sobald die Milchproduktion steigt, ist es moeglich, dass ein Neugeborenes viel Milch erhaelt, auch wenn es nicht korrekt trinkt. Auf alle Faelle steht fest, dass ein Neugeborenes, das nicht richtig angelegt ist, in den ersten Tagen keine Milch erhaelt. Das ist der Fall, wenn man hoert: "Jetzt ist er schon zwei Stunden lang an der Brust und hat immer noch Hunger." Wenn ein Neugeborenes nicht korrekt an der Brust trinkt, erhaelt es die Vormilch nicht. Wer den Vorschlag macht, mit der Milchpumpe zu kontrollieren, wieviel Vormilch man hat, beweist, dass er nichts vom Stillen versteht, und er sollte unbedingt ignoriert werden.

  4. Ein Neugeborenes sollte an jeder Brust 20 (10, 15, 7, 6) Minuten trinken
    Falsch! Man muss jedoch unterscheiden zwischen "an der Brust sein" und "an der Brust trinken". Wenn ein Baby an der ersten Brust aktiv 15-20 Minuten lang trinkt, kann es sein, dass es an der anderen gar nicht interessiert ist. Wenn es jedoch an der ersten Brust nur eine Minute lang getrunken hat, und dann beginnt, nur zu nuckeln, oder es schlaeft ein, und das gleiche wiederholt sich an der anderen Brust, dann genuegt die Milchmenge, die es zu sich nimmt, nicht, selbst wenn es sehr lange an der Brust war. Wenn ein Baby korrekt an die Brust angelegt ist trinkt es die Milch besser und laenger aktiv als wenn es nicht richtig angelegt ist. Um das Baby dazu zu bringen, dass es laenger aktiv trinkt, kann hilfreich sein, wenn die Mutter die Milch direkt in den Mund des Babys ausdrueckt sobald sie merkt, dass das Baby nicht mehr aktiv trinkt, um einen neuerlichen Milchfluss zu stimulieren. Es ist daher offensichtlich, dass die Regel, dass ein Kind in den ersten 10 Minuten 90% der vorhandenen Milch erhaelt, voellig falsch ist.

  5. Ein Stillkind braucht bei sehr heissem Wetter zusaetzliches Wasser
    Falsch! Die Muttermilch enthaelt die Menge Wasser, die das Baby braucht.

  6. Stillkinder brauchen zusaetzliches Vitamin "D"
    Falsch! Abgesehen von besonderen Umstaenden (zum Beispiel wenn die Mutter selbst waehrend der Schwangerschaft einen Vitamin-D-Mangel hatte). Das Baby hat Vitamin D in der Zeit, die es in der Gebaermutter verbracht hatte, gespeichert und wenn man es regelmaessig an die Sonne bringt, erhaelt es ausreichend Vitamin D.

  7. Eine Mutter sollte vor jeder Brustmahlzeit die Brustwarzen waschen
    Falsch! Bei der Flaschenfuetterung muss man peinlich genau auf hygienische Massnahmen achten, da die syntetische Milch das Kind nicht gegen Infektionen schuetzt, und dazu kommt noch, dass sie selbst ein guter Naehrboden fuer Bakterien ist und daher leicht verseucht werden kann. Die Muttermilch hingegen schuetzt das Baby vor Infektionen. Sich vor jeder Stillmahlzeit die Brustwarzen zu waschen macht das Stillen nur unnoetig kompliziert und ausserdem waescht man dadurch die Schutzoele weg.

  8. Milchpumpen ist eine gute Methode, um zu sehen, wieviel Milch die Mutter hat
    Falsch! Die Menge der Milch, die man pumpen kann haengt von vielen Faktoren ab, auch vom Stressgefuehl der Mutter. Ein Baby bringt viel mehr Milch aus der Brust, als eine Mutter jemals pumpen kann. Beim Milchpumpen sieht man nur, wieviel Milch man pumpen kann.

  9. Muttermilch enthaelt nicht genug Eisen fuer das Baby
    Falsch! Muttermilch enthaelt genau die Menge an Eisen, die das Baby braucht. Ein Baby, das termingerecht auf die Welt gekommen ist, wird durch die Muttermilch mindestens fuer die ersten sechs Monate mit genuegend Eisen versorgt. Industrielle Fertigmilch enthaelt zuviel Eisen, aber diese Menge ist notwendig, damit das Baby genug davon absorbiert, um einen Eisenmangel zu vermeiden. Das Eisen in der Flaschenmilch wird sehr schlecht absorbiert, und das meiste davon landet in den Windeln. Normalerweise ist es in den ersten sechs Lebensmonaten nicht notwendig, zusaetzlich zur Muttermilch andere Nahrungsmittel zu geben.

  10. Flaschenfuettern ist leichter als Stillen
    Falsch! Oder besser gesagt, das sollte nicht so sein. Wie auch immer, Stillen wird einem schwer gemacht, weil Frauen oft nicht die Hilfe erhalten, die sie brauchen, um gleich vom Anfang an erfolgreich stillen zu koennen. Ein schlechter Beginn kann tatsaechlich das Stillen schwierig machen. Aber ein schlechter Beginn kann auch erfolgreich ueberwunden werden. Oft ist Stillen am Anfang schwierig, weil irgendetwas nicht ganz richtig gemacht wird, aber normalerweise wird es dann spaeter leichter.

  11. Stillen ist anstrengend fuer die Mutter
    Falsch! Aber natuerlich haengt das davon ab, wie man die Sache betrachtet. Ein Baby kann ueberall und jederzeit gestillt werden, und das gibt der Mutter Freiheit. Sie braucht nicht ueberall Flasche und Trockenmilch mitzunehmen. Sie braucht sich nicht darueber Gedanken zu machen, wo sie die Milch aufwaermen soll. Sie braucht sich keine Sorgen ueber das Sterilisieren zu machen. Sie braucht sich keine Gedanken zu machen, wie es ihrem Baby im Moment wohl ergehen mag, da es bei ihr ist.

  12. Es ist unmoeglich, festzustellen, wieviel Milch das Baby beim Stillen erhaelt
    Falsch! Es ist zwar nicht leicht, genau zu messen, wieviel das Baby getrunken hat, aber das bedeutet nicht, dass man nicht feststellen kann, ob es genug erhaelt. Die beste Methode ist zu kontrollieren, ob das Baby bei jeder Brustmahlzeit mehrere Minuten lang aktiv an der Brust trinkt ("geoeffneter Mund - Pause - geschlossener Mund"-Saugen) Es gibt auch noch andere Methoden um festzustellen, ob das Baby viel Milch erhaelt "Bekommt mein Baby genuegend Milch?".

  13. Moderne Flaschenmilch ist fast so gut wie Muttermilch
    Falsch! Das gleiche wurde 1900 und frueher gesagt. Moderne Milchersatzprodukte sind der Muttermilch nur oberflaechlich aehnlich. Jede Korrektur eines der Maengel der synthetischen Milch wird als Fortschritt angepriesen. Im Grund sind diese Produkte eine ungenaue Kopie, die auf einem ueberholten und unvollstaendigen Wissen dessen, was Muttermilch ueberhaupt ist, beruht. Flaschenmilch enthaelt keine Antikoerper, keine lebenden Zellen, keine Enzyme, keine Hormone. Sie enthaelt viel mehr Alluminium, Magnesium, Kadmium und Eisen als Muttermilch. Sie enthaelt bedeutend mehr Proteine als Muttermilch. Die Proteine und Fettanteile unterscheiden sich voellig von denen, die in der Muttermilch enthalten sind. Flaschenmilch aendert sich nicht vom Beginn zum Ende einer Mahlzeit, oder vom Tag eins zum Tag 7 oder Tag 30, von Mutter zu Mutter, oder von Baby zu Baby. Muttermilch wird genau den Beduernissen des Babys entsprechend produziert. Syntetische Milch hingegen wird mit dem Ziel hergestellt den Beduerfnissen aller Babys zu entsprechen, also keinem. Alles was Flaschenmilch bieten kann, ist Babys schoen wachsen zu lassen, aber Stillen bietet weit mehr, als sie nur schnell wachsen zu lassen.

  14. Wenn die Mutter an eine Infektion erkrankt ist, sollte sie nicht stillen
    Falsch! Ausgenommen in sehr sehr seltenen Faellen wird das Baby geschuetzt, wenn die Mutter weiterstillt. Wenn sich bei der Mutter die ersten Symptome bemerkbar machen (Fieber, Husten, Erbrechen, Durchfall, Hautausschlag usw.) hat sie das Baby bereits angesteckt, da sie sich schon mehrere Tage bevor sie ueberhaupt wusste, dass sie krank ist, infiziert hat. Der beste Schutz vor der Infektion fuer das Baby ist weiterzustillen. Falls das Baby auch erkrankt, wird die Krankheit einen harmloseren Verlauf haben, wenn die Mutter weiterstillt. Es kann auch sein, dass es das Baby selbst war, das die Mutter angesteckt hat, aber dass es selbst keine Anzeichen von Krankheiten hatte, da es gestillt wurde. Auch Brustinfektionen, inklusive Brustabszess, wenn auch schmerzhaft, sind kein Grund das Stillen zu unterbrechen. Tatsache ist, dass diese Art von Infektionen schneller heilen, wenn die Mutter an der kranken Brust weiterstillt. (siehe: "Ja, Du kannst weiterstillen")

  15. Wenn das Baby einen Durchfall hat, oder erbricht, sollte die Mutter das Stillen unterbrechen
    Falsch! Die beste Medizin fuer eine Darminfektion des Babys ist die Muttermich. Man gebe dem Baby fuer kurze Zeit keine anderen Nahrungsmittel sondern stille nur weiter. Muttermilch ist die einzige Fluessigkeit, die das Baby braucht, wenn es einen Durchfall hat, oder erbricht, ausgenommen besondere Umstaende. Der Drang zum Gebrauch von oralen Rehydratationsloesungen kommt hauptsaechlich von den Herstellern von Muttermilchersatzprodukten (und von oral Rehydratationsloesungen) um noch mehr zu verdienen. Das Baby und die Mutter werden ausserdem durchs Stillen beruhigt. (siehe: "Ja, Du kannst weiterstillen")

  16. Wenn die Mutter eine Medizin einnehmen muss, sollte sie nicht stillen
    Falsch! Nur sehr wenige Medikamente koennen von der Mutter nicht eingenommen werden, waehrend sie stillt. Ausserdem kommt bei den meisten Medikamenten nur ein sehr kleiner Anteil in die Milch; normalerweise in so geringen Mengen, dass diese nicht beunruhigen sollten. Wenn eine Medizin tatsaechlich schaedliche Auswirkungen auf das Baby haben sollte, dann gibt es in den meisten Faellen Alternativmedikamente, die sicher sind und den gleichen Effekt haben. Der Verlust des Gewinns, den das Stillen beiden bringt, sowohl der Mutter als auch dem Baby, sollte bei der Entscheidung, ob weitergestillt wird oder nicht, auf die Waagschale gelegt werden.

  17. Eine stillende Mutter muss sehr darauf achten, was sie isst
    Falsch! Eine stillende Mutter sollte versuchen, auf eine ausgewogene Diaet zu achten, aber sie braucht weder besondere Nahrungsmittel zu essen, noch andere zu meiden. Eine stillende Mutter braucht nicht Milch zu trinken, um Milch zu erzeugen. Eine stillende Mutter braucht nicht gewuerzte Nahrungsmittel, Knoblauch, Kohl oder Alkohol zu meiden. Eine stillende Mutter sollte normal, gesund essen. Es gibt zwar Situationen, wo bestimmte Lebensmittel, die die Mutter isst, auf das Kind Auswirkungen haben, aber das ist eher ungewoehnlich. Meistens koennen einem Baby, das an "Koliken" oder "Darmblaehungen" leidet, eher geholfen werden, indem man die Stilltechnik bessert, als wenn man die Diaet der Mutter aendert. (siehe "Koliken im gestillten Kind")

  18. Eine stillende Mutter muss mehr essen, um genug Milch zu haben
    Falsch! Normalerweise haben auch Frauen, die eine extrem kalorienarme Diaet halten, genug Milch, ausser, die Mutter ernaehrt sich fuer eine lange Zeitspanne mit extrem wenige Kalorien. Normalerweise bekommt das Baby, was es braucht. Einige Frauen machen sich Sorgen, dass es sich negativ auf ihre Milch auswirkt, wenn sie ein paar Tage lang wenig essen. Hier besteht kein Grund zur Sorge. Solche Variationen haben keinerlei Auswirkungen, weder auf die Milchmenge noch auf deren Qualitaet. Normalerweise hoert man, dass Frauen pro Tag 500 Kalorien zusaetzlich brauchen, wenn sie stillen. Das stimmt nicht. Einige Frauen essen mehr, wenn sie stillen, andere hingegen gleich viel, wie vorher, und wieder andere essen weniger, ohne dass das negative Auswirkungen auf Mutter, Kind oder die Milchmenge hat. Die Mutter sollte ausgewogen essen und ihrem Appetit folgen. Essregeln machen nur das Stillen unnoetig kompliziert.

  19. Eine stillende Mutter soll viel trinken
    Falsch! Die Mutter sollte gemaess ihrem Durst trinken. Einige Muetter haben dauernd Durst, aber viele andere trinken nicht mehr als zuvor. Der Koerper der Mutter weiss, wann er Fluessigkeit braucht und signalisiert ihr das, indem er ihr ein Durstgefuehl gibt. Man glaube denen nicht, die sagen, man muss eine gewisse Menge Wasser pro Tag trinken. Regeln uebers Trinken machen nur das Stillen unnoetig kompliziert.

  20. Eine Raucherin sollte besser nicht stillen
    Falsch! Eine Mutter, die es nicht schafft, mit dem Rauchen aufzuhoeren, sollte stillen. Man hat zum Beispiel festgestellt, dass Stillen den negativen Effekt des Zigarettenrauchs auf die Lunge des Babys mindert. Stillen hat grosse Gesundheitsvorteile fuer beide, Mutter und Kind. Es waere besser, wenn die Mutter nicht rauchen wuerde, aber wenn sie mit dem Rauchen nicht aufhoeren, oder es einschraenken kann, dann ist es besser zu rauchen und zu stillen als zu rauchen und mit der Flasche zu fuettern.

  21. Eine stillende Mutter soll Alkohol meiden
    Falsch! Ein wenig Alkohol sollte der Mutter absolut nicht abgesprochen werden. Wie es mit den meisten Medikamenten der Fall ist, so geht auch vom Alkohol eine sehr geringe Menge in die Milch. Die Mutter kann etwas Alkohol trinken und weiterstillen, wie immer. Den Alkohol zu verbieten macht den Muettern das Stillen nur unnoetig schwierig.

  22. Eine Mutter sollte im Fall von blutenden Brustwarzen nicht stillen
    Falsch! Wenn das Baby durch das Blut auch oefter Milch spuckt, und sogar im Stuhl des Babys Blut aufscheinen mag, so ist das kein Grund, das Stillen einzustellen. Schmerzende und blutende Brustwarzen sind nicht schlimmer als schmerzende und nicht blutende Brustwarzen. Das wirkliche Problem ist der Schmerz, den die Mutter verspuert. Diesen Brustwarzenschmerzen kann meistens gut abgeholfen werden. Man wende sich an eine erfahrene Person. (siehe "Wunde Brustwarzen"). Manchmal bluten Muetter von den Brustwarzen, aber das Blut kommt offensichtlich vom Inneren der Brust, und ist nicht mit Schmerzen verbunden. Das kommt oft wenige Tage nach der Entbindung vor und normalisiert sich nach einigen Tagen. Die Mutter sollte weiterstillen. Wenn das Bluten nicht sofort aufhoeren sollte, muss nach der Ursache geforscht werden, aber die Mutter sollte weiterstillen.

  23. Eine Frau, die ihre Brust operativ vergroessern liess, kann nicht stillen
    Falsch! Die meisten koennen problemlos stillen. Es gibt auch keine Daten dafuer, dass Stillen mit Silikon in der Brust dem Baby schadet. In seltenen Faellen erfolgt diese Art von Operation durch den Brustwarzenhof. Diese Frauen haben Probleme mit der Milchmenge, wie jede Frau, bei der ein chirurgischer Einschnitt rund um den Brustwarzenhof vorgenommen wurde.

  24. Eine Frau, die ihre Brust operativ verkleinern liess, kann nicht stillen
    Falsch! Diese Art von Operation bewirkt zwar, dass die Frau weniger Milch produziert, aber angesichts der Tatsache, dass viele Muetter Milch im Ueberschuss haben, koennen einige trotzdem problemlos voll stillen. In so einer Situation muss sorgfaeltig darauf geachtet werden, dass die im Artikel "Ein guter Start zum Stillen" beschriebenen Prinzipien fuer ein korrektes Stillen genau angewandt werden. Falls es scheint, dass die Mutter nicht genug Milch hat, kann sie trotzdem stillen indem sie mit dem Brusternaehrungsset zufuettert (damit der Sauger der Flasche nicht das Stillen beeintraechtigen kann).

  25. Fruehgeborene Kinder muessen lernen aus der Flasche zu trinken, bevor sie mit dem Stillen beginnen koennen
    Falsch! Fruehgeborene Kinder werden beim Stillen weniger gestresst als beim Fuettern mit der Flasche. Ein Baby, das 1200 gr wiegt, oder noch weniger, kann mit der Brust beginnen, sobald es stabil genug dafuer ist, auch wenn es vielleicht viele Wochen lang nicht daran saugt. Es lernt jedoch dabei und es wird von der Mutter gehalten, was sehr wichtig fuer sein und seiner Mutter Wohlergehen ist. Tatsache ist, dass es nicht so sehr vom Gewicht des Babys abhaengt, oder vom Schwangerschaftsmonat in dem es auf die Welt gekommen ist, als viel mehr von seiner Saugbereitschaft, was von seinen Saugbewegungen bestimmt wird. Es gibt nicht mehr Gruende fruegeborene Kinder mit der Flasche zu fuettern, als es fuer zum richtigen Geburtstermin geborene Babys gibt. Wenn Zufuettern wirklich notwendig ist, dann gibt es dafuer Methoden, bei denen man keine Sauger verwenden muss.

  26. Babys mit Lippenspalte und Lippen-Kiefer-Gaumenspalte koennen nicht gestillt werden
    Falsch! Einige trinken sehr gut an der Brust. Babys, die nur eine Lippenspalte haben, bewaeltigen das Stillen meistens problemlos aber vielen Babys ist es unmoeglich, die Brust richtig zu nehmen. Zweifellos kann das Stillen nicht klappen, wenn man es gar nicht erst ausprobiert. Des Babys Geschicklichkeit zum Stillen haengt nicht immer vom Grad der Behinderung ab. Man sollte sofort mit dem Stillen beginnen und das Baby so oft wie nur irgend moeglich an die Brust anlegen und dabei die Richtlinien fuer einen guten Start zum Stillen besonders gut beachtet (siehe "Ein guter Start zum Stillen") Wenn eine Flasche gegeben wird, so wird das die Stillbereitschaft des Babys stoeren. Wenn das Baby gefuettert werden muss, aber es nimmt die Brust nicht, dann kann und sollte eine Tasse verwendet werden, statt der Flasche. Die Technik des Fingerfuetterns kann ab und zu bei Kindern mit Lippenspalte oder Lippen-Kiefer-Gaumenspalte Erfolg bringen, aber normalerweise nicht.

  27. Frauen mit einer kleinen Brust erzeugen weniger Milch als solche, die eine grosse Brust haben
    Unsinn!

  28. Stillen gibt keinen Schutz vor einer neuen Schwangerschaft
    Falsch! Stillen ist keine hundertprozentig sichere Verhuetungsmethode, aber hundertprozentig sicher ist keine. Stillen ist keine schlechte Methode, um nicht sofort wieder schwanger zu werden, und bietet einen verlaesslichen Schutz, besonders in den ersten sechs Monaten nach der Geburt. Dieser Schutz ist jedoch nur dann wirksam, wenn voll und ziemlich oft (mindestens 6-8 Mal pro Tag)gestillt wird, zwischen den einzelnen Stillmahlzeiten nicht ein zu langer Zeitabstand liegt und bei der Mutter die normalen Monatsblutungen nach der Geburt noch nicht zurueckgekehrt sind. Nach den ersten sechs Monaten geht der Schutz etwas zurueck, ist aber noch vorhanden, und Frauen, die keine kuenstlichen Geburtenregelungsmethoden anwenden und die bis ins zweite Lebensjahr hinein stillen, bekommen im Durchschnitt alle 2-3 Jahre ein Baby.

  29. Stillende Frauen koennen die Antibabypille nicht nehmen
    Falsch! Die Aufnahme weiblicher Hormone von seitens des Babys ist kein Problem, da es ohnehin durchs Stillen diesen Hormonen ausgesetzt ist. Das Baby bekommt durch die Pille nur einen winzigen Anteil mehr davon. Fest steht jedoch, dass einige Frauen, die die Pille nehmen, und das gilt sogar fuer die Mini-Pille, feststellen, dass die Milchmenge zurueckgeht. Das Oestrogen, das in der Pille enthalten ist, senkt die Milchproduktion. Da die meisten Frauen mehr als genug Milch produzieren, macht das oft nichts aus, aber manchmal stellt es ein Problem dar und das Baby wird unruhig und ist nach dem Stillen noch hungrig. Babys reagieren auf den Milchfluss, nicht auf den Inhalt der Brust, sodass es sogar im Fall einer guten Milchproduktion erscheinen mag, dass das Baby beim Stillen unruhig ist, weil es an einen staerkeren Milchfluss gewohnt war. Oft wird das Problem einfach dadurch geloest, dass man mit der Einnahme der Pille aufhoert. Wenn moeglich, sollten stillende Frauen die Pille meiden bis das Baby damit begonnen hat, zusaetzlich zur Muttermilch auch feste Nahrung zu sich zu nehmen (normalerweise im Alter von 4-6 Monaten). Sogar wenn das Baby aelter ist, kann die Milchmenge stark sinken. Wenn die Pille verwendet werden muss, ist eine Art, die nur Progesteron (ohne Oestrogen) vorzuziehen.

  30. Gestillte Babys brauchen ab dem Alter von 6 Monaten andere Arten von Milch
    Falsch! Muttermilch gibt dem Baby alles, was auch in anderen Milcharten enthalten ist, und mehr. Babys, die aelter als 6 Monate sind, sollten mit fester Nahrung beginnen, hauptsaechlich um das Essen zu lernen, und um zusaetzliches Eisen zu erhalten, das im Alter von 7-9 Monaten nicht mehr nur durch die Muttermilch allein beschafft werden kann. Daher ist weder Kuhmilch noch Flaschenmilch notwendig, solange das Baby gestillt wird. Wenn jedoch eine Mutter ihrem sechs oder mehr Monate alten Baby Kuhmilch geben moechte, gibt es keinen Grund, warum sie das nicht tun sollte, so lange das Baby noch einige Male pro Tag gestillt wird und eine grosse Auswahl von anderen Nahrungsmitteln in mehr als nur minimalen Mengen erhaelt. Die meisten Babys, die aelter als 6 Monate sind und die nie Flaschenmilch getrunken haben, lehnen diese wegen des Geschmacks ab.

  31. Eine Mutter, die sich X-Strahlen aussetzen muss, kann nicht weiterstillen
    Falsch! Normale X-Strahlen, wie bei Roentgenaufnahmen des Brustkorbs oder an den Zaehnen, haben keinen negativen Effekt auf die Milch oder auf das Baby und die Mutter kann problemlos weiterstillen. Eine Mammographie ist schwieriger zu lesen, wenn sie an einer milchbildenden Brust vorgenommen wird. Sie kann jedoch gemacht werden, und die Mutter sollte das Stillen nicht einstellen, nur um diese Untersuchung vornehmen zu lassen. Es gibt andere Methoden, wie die Axiale-Computer-Tomographie und die Magnetresonanztomographie, die harmlos sind, auch wenn Kontraste verwendet werden. Und spezielle X-Strahlen, bei denen Kontrastmittel verwendet werden? Solange kein radioaktives Isotop hergenommen wird, besteht kein Grund zur Besorgnis und die Mutter sollte nicht einmal eine einzige Stillmahzeit aussetzen. Dazu zaehlen Untersuchungen wie: Pyelographie, Lymphangiographie, Phlebographie, Arteriographie, Myelographie usw. Und Untersuchungen, bei denen radioaktive Nuklide angewendet werden (Knochenszintigraphie, Lungenszintigraphie)? Das Baby wird eine kleine Menge an radioaktiven Nuklide abbekommen. Da wir jedoch genau die gleichen Tests oft bei Kindern, und sogar bei sehr jungen Babys vornehmen, und der potentielle Verlust der Vorteile des Stillens, den man beim Abstillen haette, gross waere, sollte die Mutter weiterstillen.
    Eine Ausnahme bildet die Schilddruesenszintigraphie. Diese Untersuchung muss bei stillenden Frauen vermieden werden. Es gibt viele alternative Methoden, um die Schilddruese zu untersuchen, und nur selten ist diese Art von Untersuchung wirklich notwendig. Man erkundige sich, bevor man sich dem radioaktivem Jod aussetzt. Der Test kann warten, bis man sich wirklich sicher ist. In vielen Faellen, in denen diese Untersuchung unumgaenglich ist, kann sie ueber viele Monate hinaus verschoben werden.

  32. Die Milch kann ganz ploetzlich von einem Moment zum anderen versiegen
    Falsch! Wenn das vorkommen sollte, dann handelt es sich um einen seltenen Fall. Abgesehen von Variationen von einem Tag zum anderen oder vom Morgen zum Abend, aendert sich die Milchproduktion nicht ploetzlich. Es gibt Aenderungen, die den Eindruck erwecken koennen, dass die Milchproduktion ploetzlich zurueckgegangen sei:

    • Wenn das Baby ploetzlich mehr braucht, wegen eines Wachstumsschubs. Wenn das der Grund fuer die scheinbar unzureichende Milchproduktion ist, loest man das Problem indem man einige Tage lang oefter stillt als gewoehnlich. Man sollte versuchen, die Milch mit der Hand direkt in den Mund des Babys auszudruecken. (siehe: "Die Technik des Milchausdrueckens")
    • Ein Wechsel im Verhalten des Babys.
      Babys, die dazu neigten, an der Brust einzuschlafen, fangen oft im Alter von 5-6 Wochen an, an der Brustwarze zu ziehen und zu schreien, wenn der Milchfluss nachlaesst. Die Milch ist nicht versiegt, sondern das Baby hat sich geaendert. Man sollte in diesem Fall versuchen, die Brust mit der Hand zu pressen, damit das Baby mehr Milch erhaelt.
    • Die Brust fuehlt sich nicht mehr voll an, sondern ganz weich.
      Es ist normal, dass die Mutter nach ein paar Wochen keinen Milchstau mehr hat, oder die Brust als voll verspuert. Solange das Baby an der Brust trinkt, braucht man sich keine Sorgen zu machen. (siehe: "Bekommt mein Baby genug Milch?"
    • Das Baby trinkt weniger gut an der Brust.
      Das ist oft darauf zurueckzufuehren, dass dem Baby eine Flasche oder ein Schnuller gegeben wird und es dadurch eine falsche Saugtechnik lernt.
    • Die Pille kann sich unguenstig auf die Milchproduktion auswirken. In diesem Fall sollte man in Erwaegung ziehen, auf die Pille zu verzichten, oder eine einzunehmen, die nur Progesteron enthaelt, oder aber man verwendet andere Verhuetungsmethoden.

    Wenn es scheint, dass das Baby tatsaechlich zu wenig Milch bekommt, sollte man sich an eine erfahrene Person wenden, aber nicht mit der Flasche anfangen, denn es verschlimmert nur die Sache. Wenn Zufuettern absolut notwendig ist, sollte man das Busternaehrungsset verwenden, das sich nicht negativ aufs Stillen auswirkt. Es kann aber viel gemacht werden, bevor man mit dem Zufuettern beginnt. Man schaue sich nach Hilfe um. Man versuche, die Milch auszupressen, damit das Baby mehr Milch bekommt (siehe "Die Technik des Milchauspressens")


  33. Aerzte wissen eine Menge uebers Stillen
    Falsch! Es gibt natuerlich Ausnahmen. Tatsache ist, dass sehr wenig Aerzte, die in Nordamerika oder Westeuropa studierten, in der Universitaet ueberhaupt etwas uebers Stillen gelernt haben. Und noch weniger von ihnen lernten etwas ueber die praktischen Aspekte, um der Mutter zu helfen, gleich vom Anfang an korrekt zu stillen und dann problemlos weiterzustillen. Nach der Universitaet erhalten Aerzte die meiste Information ueber Kleinkinderernaehrung durch die Vertreter der Hersteller von Fertigmilchnahrung oder durch die Werbung dieser Firmen.

  34. Aber wenigstens Kinderaerzte wissen eine Menge uebers Stillen
    Falsch! Es gibt natuerlich Ausnahmen. Wie auch immer, auf der Universitaet lernen die meisten zukuenftigen Kinderaerzte nichts Offizielles uebers Stillen, und was sie hier und dort aufschnappen, ist meist falsch. Zu viele Kinderarztpraktikanten sehen Stillen als "Hindernis fuer eine gute aerztliche Betreuung" von Babys, bei denen ein Krankenhausaufenthalt notwendig ist.

  35. Werbebroschueren von Muttermilchersatzfirmen und Gratisproben von syntetischer Milch haben keinerlei Einfluss darauf ob und wie lange eine Mutter stillt
    Wirklich? Warum bemuehen sich dann die Hersteller von Muttermilchersatz so sehr, dass jede frischgebackene Mutter diese Gratisproben erhaelt? Werden diese Proben und die Broschueren ausgeteilt, um die Muetter zum Stillen aufzumuntern? Geben diese Firmen so viel Geld fuer die Gratisproben und die Broschueren aus, um die Muetter dazu zu bringen, laenger zu stillen? Diese Firmen argumentieren meist, dass, wenn die Mutter Flaschenmilch gibt, sie wenigstens ihre Marke verwenden soll. Indem diese Firmen untereinander konkurrieren sind sie auch in Konkurrenz mit dem Stillen. Wer hat diesem Argument Glauben geschenkt, wenn es die Zigarettenhersteller waren, die es verwendeten?

  36. Wenn man Muttermilch zusammen mit Flaschenmilch verwendet, kann das dem Kind Probleme bereiten
    Falsch! Die meisten stillenden Muetter brauchen keine Flaschenmilch und wenn es Probleme geben sollten, die anscheinend das Zufuettern von industrieller Fertigmilchnahrung notwendig machen, so koennen diese meistens geloest werden, ohne diesen Muttermilchersatz zu verwenden. Wenn das Baby diese jedoch tatsaechlich braucht, dann gibt es keinen Grund dafuer, sie nicht zusammen mit Muttermilch zu verabreichen.

  37. Babys, die auf Nachfrage gestillt werden, leiden oft an "Koliken"
    Falsch! Gestillte Babys, die an "Koliken" leiden, legen oft sehr rasch Gewicht zu und manchmal wollen sie sehr oft gestillt werden. Fest steht aber, dass viele nicht deshalb an Koliken leiden, weil sie oft an der Brust trinken, sondern weil sie nicht so gut zu der fetthaltigen Milch kommen, wie sie sollten. Typisch ist in so einem Fall, dass das Baby die ersten paar Minuten gut trinkt, dann nur nuckelt und daraufhin einschlaeft. Wenn dem Baby die andere Brust angeboten wird, trinkt es wieder kurze Zeit gut, geht dann zum Nuckeln ueber und schlaeft ein. Das Baby erhaelt auf diese Art viel von der fettarme Milch, und verlangt deshalb oft nach der Brust. Die Aufnahme von fast nur fettarmer Milch kann auch Blaehungen zur Folge haben, das Baby schreit und hat einen explosionsartigen waessrigen Stuhl. Die Mutter kann ihr Baby dazu ermuntern, laenger an der ersten Brust zu trinken um dadurch mehr fetthaltige Milch zu sich zu nehmen indem sie die Technik des Milchausdrueckens anwendet, sobald das Baby nicht mehr aktiv an der Brust trinkt und schluckt. (siehe: "Kolik im gestillten Kind" und "Die Technik des Milchausdrueckens")

  38. Muetter, die geimpft werden (Tetanus, Roeteln, Hepatitis B, Hepatitis A usw.) sollten 24 Stunden (3 Tage, 2 Wochen)lang nicht stillen
    Falsch! Warum sollten sie nicht? Es besteht kein Risiko fuer das Baby, und es kann sogar davon profitieren. Ein seltener Ausnahmefall sind Babys die eine Immunschwaeche haben. In diesem Fall sollte die Mutter nicht mit einem geschwaechten lebenden Virus geimpft werden (zum Beispiel Kinderlaehmung-Schluckimpfung (das gilt nicht fuer die gespritzte Impfung) Masern, Mumps, Roeteln), selbst wenn das Baby mit der Flasche gefuettert wird.

  39. Es gibt keine Saugverwirrung
    Falsch! Ein Baby, das in den ersten zwei Lebenswochen nur flaschengefuettert wurde, zum Beispiel, verweigert normalerweise die Brust, selbst wenn die Mutter reichlich Milch hat. Ein Baby, das die ersten 3 oder 4 Lebensmonate nur gestillt wurde, wird wahrscheinlich die Flasche nicht akzeptieren. Einige Babys ziehen die rechte Brust der linken Brust vor. Flaschenkinder ziehen oft einen Sauger gegenueber einem anderen vor. Das Phaenomen der Bevorzugung einer Brustwarze oder eines Saugers existiert also tatsaechlich. Die einzige Frage ist, wie schnell das eintritt. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Bevorzugung des Saugers schon nach ein oder zwei Flaschenmahlzeiten eintreten. Ein Baby, das Schwierigkeiten beim korrekten Anlegen an die Brust hat, kann noch nie einen kuestlichen Sauger kennengelernt habe, aber die Verwendung eines Saugers verbessert die Situation schwerlich, sondern verschlimmert sie oft nachhaltig. Man bemerke, dass die Leute, die sagen, dass es eine Saugverwirrung nicht gibt, der Mutter auch raten, bald mit der Flasche zu beginnen, damit es das Baby nicht ablehnt.

  40. Frauen mit Flach- oder Hohlwarzen koennen nicht stillen
    Falsch! Babys trinken nicht an der Brustwarze, sondern an der Brust. Obwohl es fuer das Baby leichter sein mag, die Brust zu nehmen, wenn die Brustwarze auswaerts gerichtet ist, so ist es fuer die Brustwarzen nicht notwendig, wegzustehen. Ein richtiger Stillbeginn beugt normalerweise Probleme vor und Muetter mit allen moeglichen Arten von Brustwarzen koennen perfekt stillen. In der Vergangenheit wurde oft zum Gebrauch eines Stillhuetchens geraten um das Baby an die Brust zu bringen. Dieses Hilfsmittel sollte jedoch nicht verwendet werden, besonders nicht in den ersten Lebenstagen! Wenn es auch eine Loesung zu sein scheint, so bewirkt es oft eine unzureichende Brustmahlzeit und einen ernsthaften Gewichtsverlust und macht es noch schwerer, das Baby richtig an die Brust anzulegen. (siehe "Die Technik des Fingerfuetterns") Wenn das Baby die Brust am Anfang verweigert, wird es mit Hilfe einer erfahrenen Person, die Brust spaeter akzeptieren. Die Brust aendert sich ausserdem in den ersten paar Wochen und solange die Mutter eine gute Milchproduktion aufrechterhaelt, wird sich das Baby frueher oder spaeter an die Brust anlegen.

  41. Wenn eine Frau schwanger wird, muss sie das Stillen aufgeben
    Falsch! Wenn Mutter und Kind es wuenschen, koennen sie weiterstillen. Es gibt Frauen, die das aeltere Kind weiterstillen, nachdem das Neugeborere auf der Welt ist. Viele Frauen entscheiden, das Stillen einzustellen wenn sie schwanger werden, da ihre Brustwarzen schmerzen, oder aus anderen Gruenden, aber es besteht kein Grund zur Eile und auch vom medizinischen Standpunkt keine Notwendigkeit dazu. Im Gegenteil, oft bestehen gute Gruende zum Weiterstillen. Es kann vorkommen, dass sich die Milchmenge waehrend der Schwangerschaft mindert, aber wenn das Baby seinen Bedarf auch noch durch andere Nahrungsquellen deckt, besteht kein Problem.

  42. Ein Baby das Durchfall hat, sollte nicht gestillt werden.
    Falsch! Die beste Behandlung einer Darminfektion (Gastroenteritis) ist Stillen. Ausserdem ist es sehr ungewoehnlich, dass ein Baby andere Fluessigkeiten ausser Muttermilch braucht. Wenn Lactose-Intoleranz ein Problem ist, kann man dem Baby Lactasetropfen geben, die man ohne aerztliche Verschreibung kaufen kann, und zwar kurz vor oder nach der Stillmahlzeit, aber bei gestillten Kindern ist das selten notwendig. Man hole sich Informationen ueber den Gebrauch dieser Tropfen bei der Stillklinik. Lactose-Intoleranz aufgrund von Gastroenterite verschwindet auf jeden Fall mit der Zeit. Lactosefreie Muttermilchersatzprodukte sind nicht besser als Stillen. Stillen ist besser als jede industriell hergestellte Milch.

  43. Babys bleiben 2 Stunden lang an der Brust, weil sie gerne saugen
    Falsch! Babys brauchen und lieber das Saugen, aber wieviel Saugen brauchen sie? Die meisten Babys, die so lange an der Brust trinken sind wahrscheinlich hungrig, auch wenn sie gut wachsen. "An der Brust sein" ist nicht gleichbedeutend mit "an der Brust trinken" Das Baby besser an die Brust zu legen erlaubt es ihm effektvoller zu saugen und daher laengere Zeit aktiv zu trinken. Man kann dem Baby auch dabei helfen mehr zu trinken, indem man die Milch in seinen Mund hinein ausdrueckt, wenn man merkt, dass es nicht mehr schluckt. (siehe "Die Technik des Milchausdrueckens") In den ersten 5-6 Wochen schlafen Babys an der Brust ein, weil der Milchfluss weniger stark ist, nicht weil sie genug zu sich genommen haben.

  44. Babys muessen das Trinken mit der Flasche lernen. Daher sollte man immer damit anfangen, bevor es die Flasche ablehnt
    Falsch! Wenn auch viel Muetter beschliessen, aus verschiedenen Gruenden mit der Flasche anzufangen, besteht kein Grund dazu, dass das Baby das Saugen daran lernen muss. Es bringt keine grossen Vorteile, wenn das Baby die Flasche akzeptiert. Da kanadische Muetter 26 Wochen Karenzzeit zustehen kann man beginnen, dem Baby feste Nahrung zu geben, bevor die Mutter wieder ihre auswaertige Arbeit aufnimmt. Ein Baby kann sogar Fluessigkeiten, oder feste Nahrung, die ziemlich fluessig ist, vom Loeffel nehmen. Mit etwa 6 Monaten kann das Baby beginnen von einer Tasse zu trinken, und wenn es auch mehrere Wochen braucht, bis es diese effektvoll verwendet, wird es das schon lernen. Wenn die Mutter eine Flasche verwenden moechte, ist es besser, sie wartet bis das Baby 4-6 Wochen lang gut an der Brust getrunken hat, und es dann auch nur gelegentlich zu verwenden. Manchmal kommt es vor, dass ein Baby, das die Flasche mit 6 Wochen akzeptiert hat, dieses mit 3 oder 4 Monaten ablehnt, auch wenn es regelmaessig verwendet wurde (kluge Babys!). Man mache sich keine Sorgen und wende die oben beschriebene Methode zur Verabreichung fester Nahrung an. Bei Stillproblemen eine Flasche zu verwenden ist keine gute Idee, und normalerweise verschlimmern sich dadurch die Probleme. Man versuche nicht, das Kind durch aushungern zum "Gehorsam" zu zwingen. Man wende sich besser an eine erfahrene Person.

  45. Wenn die Mutter operiert wurde, muss sie einen Tag lang warten, bevor sie weiterstillen kann
    Falsch! Die Mutter kann sofort nach der Operation stillen, sobald sie dazu faehig ist. Weder die Medikamente, die fuer die Narkose verwendet wurden, noch die schmerzstillenden Mittel oder die Antibiotika, die nach dem operativen Eingriff verwendet wurden, verlangen ein Einstellen des Stillens, besondere Umstaende ausgenommen. Moderne Krankenhaeuser werden stillende Muetter und ihre Babys zusammen unterbringen, wenn entweder die Mutter oder das Baby ins Krankenhaus eingeliefert werden muss, damit weitergestillt werden kann. Viele Regeln, die das Stillen beeintraechtigen, werden mehr zum Vorteil des Krankenhauspersonals, als zum Nutzen von Mutter und Kind gesetzt.

  46. Das Stillen von Zwillingen ist zu schwer zu managen
    Falsch! Zwillinge zu stillen ist leichter als Zwillinge mit der Flasche zu ernahren, wenn problemlos gestillt wird. Deshalb muss einer Mutter von Zwillingen besonders dabei geholfen werden, gleich vom Anfang an korrekt zu stillen (siehe "Ein guter Start zum Stillen") Viele Frauen haben Drillinge voll gestillt. Das verlangt natuerlich viel Arbeit und Zeit, aber mit Zwillingen und Drillingen hat man immer viel Arbeit, unabhaengig davon, wie man sie ernaehrt.

  47. Frauen, deren Brust waehrend der Schwangerschaft gar nicht oder nur sehr wenig an Umfang zunahm, haben nicht genug Milch
    Falsch! Sehr wenig Frauen koennen nicht genug Milch produzieren (und diese koennen mit dem Brusternaehrungsset weiterstillen). Einige dieser Frauen berichten, dass ihre Brust waehrend der Schwangerschaft nicht groesser geworden ist. Der Groessteil der Frauen, deren Brust waehrend der Schwangerschaft nicht an Umfang zugenommen hatte, haben genug Milch.

  48. Eine Mutter deren Brust sich nicht voll anfuehlt hat wenig Milch darin
    Falsch! Die Brust braucht sich nicht voll anzufuehlen, um viel Milch zu produzieren. Es ist normal, dass sich die Brust einer stillenden Frau weniger voll anfuehlt, wenn sich ihr Koerper den Beduerfnissen ihres Babys angepasst hat. Das kann ganz ploetzlich sein und schon zwei Wochen nach der Geburt oder sogar frueher. Die Brust ist nie "leer" und produziert Milch wenn das Baby daran saugt.

  49. Stillen in der Oeffentlichkeit ist eine Schande
    Falsch! Eine Schande ist hingegen dass Muetter, die ihre Babys stillen, erniedrigt und belaestigt werden. Frauen, die versuchen, das Beste fuer ihre Babys zu tun sollten nicht durch anderer Leute Mangel an Verstaendnis gezwungen werden, zu Hause zu bleiben, oder ihre Babys in Toiletten zu stillen. Diejenigen, die dieser Anblick stoert brauchen nur wegzuschauen. Kinder werden nicht psychologisch geschaedigt, wenn sie eine stillende Frau sehen. Im Gegenteil, sie koennen dabei etwas Wichtiges, Schoenes und Faszinierendes lernen. Sie koennten auch lernen, dass Brueste nicht nur dazu da sind Bierwerbung zu machen. Andere Frauen, die ihre Babys zu Hause gelassen haben, wo sie mit der Flasche gefuettert werden, bekommen vielleicht den Mut, das naechste Mal das Baby mitzunehmen.

  50. Ein Kind bis 3 oder 4 Jahre zu stillen ist abnormal und schaedlich fuer das Kind, weil es eine ueberstarke Abhaengigkeit zwischen Mutter und Kind zur Folge hat
    Falsch! Stillen bis zum Alter von 2-4 Jahre war in den meisten Kulturen die Regel, seit der Mensch auf diesem Planeten ist. Erst in den letzten 100 Jahren ca. begann man, Stillen als etwas anzusehen, dem man eine Grenze setzen muss. Kinder die bis ins dritte Lebensjahr gestillt werden sind nicht zu abhaengig. Im Gegenteil, sie neigen dazu, sehr selbstsicher zu sein, und daher unabhaengiger. Der Schritt zum Abstillen wird von ihnen unternommen (mit sanfter Aufmunterung von seitens der Mutter) und daher sind sie sich sicher, wann der richtige Moment gekommen ist, um diese Entwicklungsetappe hinter sich zu lassen.

  51. Wenn das Baby einige Tage (Wochen) nicht mehr an der Brust getrunken hat, sollte die Mutter nicht mehr mit dem Stillen beginnen, weil die Milch sauer geworden ist.
    Falsch! Die Milch ist gut wie immer. Die Milch in der Brust ist nicht mit Kuhmilch oder Pulvermilch zu vergleichen.

  52. Wenn eine Mutter Gymnastik gemacht hat, sollte sie nicht stillen
    Falsch! Es gibt keinen Grund, warum eine Mutter nach der Gymnastik nicht stillen sollte. Die Studien, die zeigen, dass Babys, die gestillt wurden, nachdem ihre Muetter Gymnastik gemacht hatten, quengelig waren, wurden sehr oeberflaechlich gemacht und werden von der taeglichen Erfahrung von Millionen Muettern widerlegt.

  53. Eine stillende Mutter soll weder eine Dauerwelle bekommen noch ihr Haar faerben lassen
    Falsch!

  54. Dem Stillen wird die Schuld an allem gegeben
    Richtig! Die Familienmitglieder, das Gesundheitspersonal, Nachbarn, Freunde und Taxifahrer werden dem Stillen die Schuld geben, wenn die Mutter muede, nervoes, weinerlich oder krank ist, wenn ihr die Knie wehtun, wenn sie schlecht schlaeft, wenn sie immer schlaefrig ist, wenn sie ein Schwindelgefuehl hat, blutarm ist, wenn sich ihre alte Gelenkentzuendung (Migraene oder irgendein anderes chronisches Problem) wieder bemerkbar macht, wenn sie sich ueber Haarausfall beschwert, ihre Sehfaehigkeit zurueckgeht, wenn sie Ohrensausen oder Hautjucken hat. Dem Stillen wird die Schuld gegeben, wenn es Eheprobleme gibt oder wenn die anderen Kinder sich nicht gut benehmen. Stillen ist Schuld daran, wenn die Hypothekenrate hinaufschnellt und die Oekonomie hinuntergeht. Und wenn auch immer etwas eintrifft, dass nicht in das Bilderbuchleben hineinpasst, dann wird der Mutter von jedermann geraten, dass es besser sei, mit dem Stillen aufzuhoeren.

Letzter Stand: Jaenner 98

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Uebersetzung von - Ulrike Schmidleithner
Die Originalseite in englisch findet man hier.



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