Milchstau und Brustentzuendung (Mastitis)


Autor: Dr. Jack Newman MD FRCPC
Originaltitel: "Blocked Ducts and Mastitis "

Die Mastitis ist eine bakterielle Brustinfektion, die normalerweise bei stillenden Muettern vorkommt. Es koennen jedoch auch Frauen daran erkranken, die weder stillen noch schwanger sind und sogar bei Neugeborenen kann eine Brustentzuendung vorkommen. Niemand weiss, warum manche Frauen an Mastitis erkranken und andere nicht. Bakterien koennen durch rissige oder wunde Brustwarzen in die Brust eindringen, aber auch Frauen, deren Brustwarzen nicht wund sind, koennen eine Brustentzuendung bekommen.

Man darf Mastitis nicht mit einem Milchstau verwechseln, denn der letztgenannte verlangt keine Behandlung mit Antibiotika, waehrend eine Brustentzuendung oft, aber nicht immer, mit Antibiotika behandelt werden muss. Die Symptome eines Milchstaues sind eine schmerzhafte, geschwollene harte Masse in der Brust, oft mit geroeteter Haut ueber der betroffenen Stelle, aehnlich wie bei einer Mastitis, aber gewoehnlich nicht so stark. Eine Brustentzuendung hingegen ist oft mit Fieber und staerkeren Schmerzen verbunden und die Haut ist staerker geroetet als beim Milchstau. Man kann sich daher leicht vorstellen, dass es nicht immer leicht ist, zwischen einer leichten Brustentzuendung und einem starken Milchstau zu unterscheiden. Ein Milchstau kann zur Mastitis fuehren.

Um eine Mastitis zu diagnostizieren, muss an der Brust eine harte, schmerzhafte, geroetete und geschwollene Stelle sein. Wenn es so eine Stelle nicht gibt, dann bedeutet das, dass die Mutter keine Mastitis hat. Grippeaehnliche Symptome und Fieber allein genuegen nicht, um eine Mastitis zu diagnostizieren. Bei stechenden Schmerzen in der Brust ohne harte Stelle hat man keine Mastitis. Es handelt sich in diesem Fall eher um Soor (eine Pilzinfektion) und sollte daher nicht mit Antibiotika behandelt werden.

Wie bei den meisten Problemen, die mit dem Stillen zusammenhaengen, kann ein nicht korrekt angelegtes Baby, was zu einer nicht ausreichenden Entleerung der Brust fuehrt, den Weg fuer die Mastitis ebnen.

Der Milchstau

Ein Milchstau heilt fast immer von selbst innerhalb von 24 - 48 Stunden. Solange man einen Milchstau hat, kann es sein, dass das Baby unruhig ist, wenn es an der betroffenen Stelle saugt, da eventuell die Milch langsamer als gewoehnlich fliesst. Ein Milchstau heilt frueher, wenn man die folgenden Massnahmen ergreift:

  1. Mit der betroffenen Brust weiterstillen
  2. Die betroffene Stelle besser entleeren. Eine Methode ist, das Baby so anzulegen, dass sein Kinn zu der verhaerteten Stelle weist. Wenn sich also die betroffene Stelle unten an der aeusseren Brustseite befindet (ca. 4 Uhr), waere die Rugby-Position angebracht.
  3. Die Brust ausstreichen, waehrend das Baby saugt. (Siehe: "Die Technik des Milchausdrueckens")
  4. Waermebehandlung (Waermflasche) der betroffenen Stelle.
  5. Die Mutter sollte versuchen, sich auszuruhen (das ist nicht immer einfach, man kann jedoch das Baby mit ins Bett nehmen).
  6. Manchmal kommt es bei einem Milchstau zu einem kleinen Blaeschen auf der Brustwarze. In diesem Fall kann man das Blaeschen mit einer sterilen Nadel aufstechen und das zahnpastaaehnliche Material ausdruecken (nicht immer moeglich). Das bringt Erleichterung bei schmerzenden Brustwarzen und es kann sogar sein, dass dadurch der Milchstau augenblicklich beseitigt ist. Man gehe zur Stillklinik, wenn man es nicht schafft, das Blaeschen selbst zu oeffnen.

Wenn ein Milchstau nicht innerhalb von (normalerweise) 48 Stunden geheilt ist, hilft oft eine Ultraschalltherapie. Man wende sich dazu an einen Physiotherapeuten oder an eine Sportklinik. Viele Ultraschalltherapeuten kennen diese Anwendung des Ultraschalls nicht. Die Ultraschalldosis ist:

2 Watt/cm2 fuenf Minuten lang ohne Unterbrechung auf die betroffene Stelle, einmal taeglich, bis zu zwei Dosen. Wenn zwei Ultraschallbehandlungen an zwei Tagen keine Besserung bringen, hat es keinen Sinn, diese fortzusetzen. Man lasse sich von einem Arzt begutachten. Normalerweise, wenn die Ultraschallbehandlung wirkt, genuegt eine einzige Behandlung zur Beseitigung des Problems. Es scheint auch, dass eine Ultraschallbehandlung einen an der selben Stelle immer wiederkehrenden Milchstau vorbeugt. Auch Lezithin, eine Kapsel (1200 mg) drei oder viermal taeglich, scheint einen immer wiederkehrenden Milchstau vorzubeugen, zumindest bei einigen Muettern.

Die Brustentzuendung (Mastitis):

Das ist meine Behandlungsmethode bei Mastitis:

Wenn die Mutter die Symptome schon seit mehr als 24 Stunden hat, sollte sie mit der Einnahme von Antibiotika beginnen. Wenn die Symptome weniger als 24 Stunden zuvor begonnen haben, verschreibe ich Antibiotika, rate jedoch der Mutter, mit der Einnahme zu warten. Wenn sich die Symptome in den darauffolgenden 8 - 12 Stunden verschlimmern (Vermehrung des Schmerzes, Ausbreitung der roten Stelle auf der Haut, Vergroesserung der Verhaertung), dann sollte die Mutter mit der Einnahme von Antibiotika beginnen. Wenn sich die Symptome jedoch bessern, braucht sie keine Antibiotika einzunehmen. Normalerweise bessern sich die Symptome langsam, bis sie innerhalb von 2-5 Tagen voellig verschwunden sind. Das Fieber verschwindet normalerweise innerhalb von 24 Stunden, die Schmerzen innerhalb von 24 - 48 Stunden und die Verhaertung innerhalb der darauffolgenden zwei Tage. Die Roetung der Haut kann eine Woche oder laenger andauern.

Wenn erst einmal eine Besserung festzustellen ist, ob mit oder ohne Antibiotika, sollte diese fortschreiten. Sollten sich die Symptome jedoch verschlimmern oder innerhalb von 24 oder 48 Stunden nicht besser werden, wende man sich an die Klinik.

Merke:

Man stille weiter, ausser es ist mit zu grossen Schmerzen verbunden. Wenn das der Fall sein sollte, und es einem unmoeglich erscheint, weiterzustillen, dann streiche man die Milch mit der Hand aus und nehme das Stillen so bald wie moeglich wieder auf. Weiterstillen beschleunigt die Heilung von Mastitis. Es besteht dabei keine Gefahr fuer das Baby.

Eine Hitzebehandlung (Waermflasche) der betroffenen Stelle beschleunigt Heilung.

Ruhe hilft bei der Heilung.

Das Fieber ist eine Hilfe bei der Bekaempfung der Infektion. Man sollte das Fieber nur dann behandeln, wenn es einem schlecht geht, nicht einfach um des Fiebers selbst willen.

Wenn noetig, kann man Paracetamol, Ibuprofen oder ein anderes Schmerzmittel einnehmen. Damit fuehlt man sich besser und es besteht keine Gefahr fuer das Baby, das nur einen winzigen Anteil davon abbekommt.

Merke: Amoxicillin, reines Penicillin und andere Antibiotika sind bei Mastitis oft wirkungslos. Wenn man ein Antibiotikum braucht, dann eines, das gegen Staphylococcus aureus wirksam ist. Wirksam sind: Cefalexin, Cefaclor, Cloxacillin, Flucloxacillin, Amoxicillin + Clavulansäure, Clindamycin und Ciprofloxacin. Die beiden letztgenannten sind fuer Muetter geeignet, die gegen Penicillin allergisch sind.

Der Brustdruesenabszess:

Manchmal kommt es bei einer Mastitis zu einer Komplikation, dem Brustdruesenabszess. Man braucht nicht das Stillen einstellen, auch nicht an der kranken Brust. Normalerweise muss ein Abszess chirurgisch behandelt werden, man sollte aber weiterstillen.

Letzter Stand: Jaenner 98

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Uebersetzung von - Ulrike Schmidleithner

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Die Originalseite in englisch findet man hier.


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