Wie ernaehrt man das Baby waehrend der Abwesenheit der Mutter?


Autor: Dr. Jack Newman MD FRCPC
Originaltitel: "What to feed the baby when the mother is working outside the home "

Dieses Informationsblatt beantwortet nicht alle Fragen die aufkommen, wenn die stillende Mutter auswaerts zu arbeiten beginnt, sondern konzentriert sich nur auf einen Punkt, naemlich, die Ernaehrung des Babys waehrend der Abwesenheit der Mutter. Es richtet sich vor allem an Muetter, die ihre bezahlte Arbeit aufnehmen, wenn das Baby circa sechs Monate alt ist. Muetter sollten so lange wie nur irgend moeglich bei ihren Babys bleiben und den 26 Wochen andauernden Mutterschutz (gueltig fuer Kanada) voll in Anspruch nehmen. Das Baby wird nie mehr dieses Alter haben.

Einige Vorurteile:

  1. Babys muessen lernen, aus der Flasche zu trinken, damit man sie damit fuettern kann, wenn die Mutter nicht da ist.

    Falsch! Einige voll gestillte Babys akzeptieren die Flasche im Alter von zwei oder drei Monaten nicht. Die meisten, die bis dahin keine Flasche bekommen hatten und sogar einige, die sie in den ersten Lebenswochen akzeptiert hatten, lehnen sie mit vier oder fuenf Monaten ab. Das ist keine Tragoedie und es besteht kein Grund, das Baby bald daran zu gewoehnen, damit es das Trinken aus der Flasche lernt. Wenn das Baby die Flasche ablehnt, sollte man nicht versuchen, es dazu zu zwingen. Das kann fuer Mutter und Baby sehr frustrierend sein und ist nicht notwendig. Wenn das Baby zu dem Zeitpunkt, an dem die Mutter wieder auswaerts zu arbeiten beginnt, sechs Monate alt ist, braucht es keine Flasche. Man kann ihm feste Nahrung mit einem Loeffel eingeben, genauso, wie jedem anderen Baby dieses Alters. Mit sechs Monaten kann es so viel davon essen, dass es untertags keinen Hunger zu leiden braucht. Ausserdem kann ein Baby von fuenf oder sechs Monaten langsam beginnen, aus einer Tasse zu trinken. Es kann eine normale Tasse ohne Schnabel sein. Man verwende am Anfang Wasser, da das Baby, solange es noch keine Uebung darin hat, viel von der Fluessigkeit ausschuetten wird. Falls es zu dem Zeitpunkt, an dem man die auswaertige Arbeit wieder aufnimmt, noch nicht mit der Tasse umgehen kann, ist das auch kein Problem, es kann die Fluessigkeit von einem Loeffel nehmen, oder man mischt einfach die feste Nahrung mit mehr Fluessigkeit (ausgedrueckte Milch, Saft). Wenn das Baby im Alter von sechs Monaten eine grosse Menge von fester Nahrung in reicher Auswahl essen soll, kann es natuerlich nuetzlich sein, es schon beginnend mit fuenf Monaten langsam daran zu gewoehnen. Viele Babys ziehen es jedoch vor, zum Trinken auf die Mutter zu warten. Das ist in Ordnung. Viele schlafen zwoelf Stunden ohne etwas zu essen oder zu trinken.


  2. Es bringt aber sicher keinen Schaden, wenn man ein Baby trotzdem an die Flasche gewoehnt?

    Nicht unbedingt! Bei einigen Babys klappt es. Wenn es gut an der Brust trinkt, wird eine Flasche ab und zu nichts ausmachen. Wenn es jedoch taeglich und regelmaessig viele Flaschen bekommt, und gleichzeitig die Milchmenge zurueckgeht, weil es seltener an der Brust saugt, ist es sehr leicht moeglich, dass es anfaengt, die Brust zu verweigern, auch wenn es aelter als sechs Monate ist.

  3. Babys brauchen auch waehrend der Abwesenheit der Mutter Milch

    Falsch! Drei- oder viermal taeglich ausreichend Stillen und zusaetzlich eine reiche Auswahl von fester Nahrung gibt dem Baby, was die Ernaehrung betrifft, alles, was es braucht, es ist nicht notwendig, ihm waehrend der Abwesenheit der Mutter eine andere Art von Milch zu geben. Feste Nahrung kann natuerlich mit ausgedrueckter oder mit einer anderen Milch gemischt werden, es ist aber nicht notwendig.

  4. Wenn dem Baby neben der Muttermilch aucn noch eine andere Art von Milch gegeben wird, kommt nur Flaschenmilch in Frage bis das Baby mindestens neun Monate alt ist.

    Falsch! Wenn das Baby taeglich einige Male gestillt wird und eine reiche Auswahl von fester Nahrung in geeigneter Menge erhaelt, ist Flaschenmilch weder notwendig noch ratsam. Babys, die vor dem Alter von fuenf bis sechs Monaten keine Flaschenmilch getrunken haben, lehnen diese oft wegen des ziemlich schlechten Geschmacks ab. (Wenn man sich davon ueberzeugen moechte, wie wenig wir ueber Muttermilch wissen, dann sollte man sich fragen, warum die Muttermilch um so vieles suesser ist, obwohl sie die gleiche Menge Zucker enthaelt wie die Flaschenmilch). Wenn man dem Baby neben der Muttermilch noch eine andere Art von Milch geben moechte, dann ist es ab dem sechsten Lebensmonat moeglich, homogenisierte Milch zu verwenden, solange diese nicht die einzige Nahrungsquelle darstellt. Wenn das Baby eine geeignete Menge von zusaetzlichen Nahrungsmitteln in grosser Auswahl isst, drei- bis viermal taeglich gestillt wird, und es gut gedeiht, kann homogenisierte oder entrahmte Milch (2%iger Fettgehalt) gegeben werden, notwendig ist es jedoch nicht.

  5. Folgemilch (Flaschenmilch fuer ueber sechs Monate alte Babys) ist speziell auf die Beduerfnisse von sechs bis zwoelf Monate alte Babys abgestimmt.

    Falsch! Diese Milch ist voellig ueberfluessig und sie ist speziell auf die Beduerfnisse der Gewinnspanne der Flaschenmilchindustrie abgestimmt. Sie ist ausserdem Teil einer Marktstrategie, die versucht, die geltenden Einschraenkungen fuer die Werbung von industrieller Muttermilchersatznahrung (die ohnehin in vielen Faellen missachtet werden) direkt an das Publikum zu umgehen. In Europa gibt es jetzt eine spezielle Flaschenmilch fuer Kleinkinder von 1-3 Jahren. Scheinbar kaufen einige Leute einfach alles. Diese industrielle Kleinkindermilch wird es bald auch hier geben, dessen kann man sicher sein.

  6. Das voll gestillte, vier Monate alte Baby, braucht mehr Eisen, als es von der Muttermilch alleine erhaelt.

    Falsch! Ein reifes und voll gestilltes Baby erhaelt genug Eisen aus der Muttermilch. Im Alter von mehr oder weniger sechs Monaten ist es jedoch ratsam, damit zu beginnen, dem Baby eisenhaltige Nahrung zuzufuettern.

  7. Die beste Methode, um dem Kind genug Eisen zuzufuehren ist, ihm einen von der Industrie hergestellten Getreidebrei fuer Babys zu geben

    Falsch! Diese Art von Babynahrung enthaelt zwar eine Menge Eisen, aber der Grossteil davon wird nicht absorbiert und diese grosse Eisenmenge scheint bei einigen Babys zu Verstopfung zu fuehren. Ausserdem lehnen viele Babys, die bis zum Alter von fuenf/sechs Monaten nur Muttermilch bekommen haben, diese Getreidebreie ab. Es ist nichts an diesen Breien, was nicht in Ordnung waere, aber wenn man sie einem Baby aufzwingt, kann das spaeter zu Essproblemen fuehren. Die beste Methode, um dem Baby weiterhin genug Eisen zuzufuehren ist, es zu stillen und zum geeigneten Zeitpunk in einer entspannten und positiven Athmosphaere mit dem Zufuettern von fester Nahrung zu beginnen. (Siehe "Zufuettern von fester Nahrung"). Als geeigneter Zeitpunkt gilt, wenn das Baby Interesse am Essen zeigt, indem es nach den Speisen im Teller der Eltern oder der anderen Familienmitglieder greift und sie zu essen versucht. Das geschieht normalerweise im Alter von 4,5 - 5,5 Monaten. Ein Baby dieses Alters kann das gleiche wie seine Eltern essen, mit wenigen Ausnahmen. Es besteht kein Grund dazu, sich ueber die Reihenfolge Gedanken zu machen, mit der die verschiedenen Lebensmittel gegeben werden sollen, oder zu versuchen, pro Woche jeweils ein einzelnes Nahrungsmittel zuzufuehren. Die beste zusaetzliche Eisenquelle ist Fleisch, dessen Eisen sehr gut absorbiert wird. Wenn man darauf achtet, dem Baby die feste Nahrung in einer entspannten und positiven Atmosphaere zu geben, wird es problemlos eisenhaltige Lebensmittel zu sich nehmen.

Letzter Stand: Jaenner 98

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Uebersetzung von - Ulrike Schmidleithner
Die Originalseite in englisch findet man hier.


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