Stillen eines adoptieren Babys


Autor: Dr. Jack Newman MD FRCPC
Originaltitel: "Breastfeeding your Adopted Baby "

Hast du vor ein Baby zu adoptieren und es zu stillen? Wunderbar! Es ist nicht nur moeglich, sondern es ist auch ziemlich einfach und es besteht die Moeglichkeit, dass du eine beachtenswerte Menge Milch produziert. Es ist nicht kompliziert, sondern einfach anders als das Stillen eines Neugeborenen, das neun Monate lang in Deinem Bauch heranwuchs.

Stillen und Muttermilch

Beim Stillen eines Adoptivkindes hat man zwei Ziele vor Augen. Erstens, das Baby an die Brust zu gewoehnen und zweitens, Milch zu produzieren. Es ist wichtig, seine Erwartungen nicht zu hoch anzusetzen. Da Stillen mehr ist, als dem Baby Muttermilch zuzufuehren, sind viele Adoptivmuetter gluecklich, stillen zu koennen, ohne sich zu erwarten, eine fuer das Baby ausreichende Menge Milch zu haben. Es geht um die spezielle Mutter-Kind-Beziehung, die besondere Naehe, die biologische Bindung des Stillens, das vielen Muettern dabei am Wichtigsten ist. Eine Adoptivmutter sagte: "Ich moechte Stillen. Wenn das Baby dabei auch Muttermilch erhaelt, so ist das natuerlich grossartig"

Das Baby an die Brust gewoehnen

Obwohl viele nicht glauben, dass die fruehe Verwendung von Flaeschchen ein Stoerfaktor beim Stillen sein kann, ist es tatsaechlich der Fall, dass sich die Verwendung von kuenstlichen Saugern in den ersten Lebenstagen auf das Stillen negativ auswirken kann. Je eher man das Baby nach der Geburt an der Brust anlegt, umso besser. Wie dem auch sei, das Baby muss Milch erhalten, wenn es an der Brust trinkt, damit es sich nicht losloest, sondern weitersaugt, besonders, wenn es schon daran gewoehnt ist, Fluessigkeit durch ein Flaeschchen oder andere Fuetterungsmethoden (Tasse, Fingerfuetterung) zu erhalten. Was kann also getan werden?

  1. Man spreche mit dem Personal des Krankenhauses, in dem das Baby auf die Welt kommen wird und informiere die Oberschwester und die Stillberatung, dass man plant, das Baby zu stillen. Sie sollten dem Wunsch, das Baby mit einer Tasse oder mit der Technik der Fingerfuetterung zu ernaehren nachkommen, wenn die Moeglichkeit nicht besteht, das Baby sofort nach der Geburt zu stillen. Es kommt immer haeufiger vor, dass es eingerichtet wird, dass die Adoptivmutter bei der Geburt dabeisein und somit das Baby sofort stillen kann. Je frueher man beginnt, umso besser.
  2. Einige biologische Muetter sind einverstanden, das Baby in seinen ersten Lebenstagen zu stillen. Es gibt jedoch Sozialarbeiter und andere, die dagegen sind, weil die Gefahr besteht, dass die biologische Mutter von ihrem Vorhaben, ihr Baby zur Adoption freizugeben, absieht. Das ist moeglich, und wahrscheinlich moechte eine Adoptivmutter dieses Risiko nicht eingehen. Jedenfalls wurde es schon praktiziert und es hat fuer das Baby den Vorteil, dass es gestillt wird und die Neugeborenenmilch erhaelt statt sofort kuenstlich ernaehrt zu werden.
  3. Das Baby korrekt anzulegen ist genauso wichtig, ja sogar noch wichtiger, wenn die Adoptivmutter eine fuer das Baby nicht ausreichende Milchmenge hat, als wenn sie genuegen haette. Ein gutes Anlegen bedeutet schmerzloses Stillen und ausserdem erhaelt das Baby dadurch mehr Muttermilch, unabhaengig davon, ob eine ausreichende Milchmenge vorhanden ist oder nur ganz wenig.
  4. Wenn zugefuettert werden muss, dann sollte das mit einem Brusternaehrungsset geschehen, mit dem das Baby die zusaetzliche Fluessigkeit zu sich nimmt, waehrend es an der Brust trinkt. (siehe: "Die Verwendung des Brusternaehrungssets"). Neugeborene lernen, an der Brust zu trinken, indem sie sich darin ueben, und nicht durch die Fuetterung mit einer Tasse, der Finger-Technik oder mit dem Flaeschchen. Natuerlich kann man die zuvor ausgedrueckte Milch zum Zufuettern verwenden.
  5. Wenn man Schwierigkeiten dabei hat, das Baby an die Brust zu gewoehnen, wende man sich so bald wie moeglich an die Stillklinik.

Die Milchbildung

Sobald das Baby "in Sicht" ist, sollte man mit der Einleitung der Milchbildung beginnen. Man sollte sich vor Augen halten, dass es einem nicht gelingen mag, eine fuer das Baby ausreichende Milchmenge zu produzieren, obwohl es sein kann, dass man das schafft. Man sollte sich nicht dadurch entmutigen lassen, weil man, bevor man das Baby hat, beim Pumpen wenig Milch aus der Brust bekommt, da eine Pumpe die Milch nie so gut aus der Brust herausbekommt, wie ein Baby, das gut saugt und korrekt angelegt ist. Das Hauptmotiv des Pumpens ist, die Aenderungen in der Brust in die Stillkultur zu leiten, sodass man Milch bilden kann, und nicht um eine Milchreserve fuer das Baby aufzubauen, bevor es geboren ist, auch wenn das natuelich vorteilhaft waere.

  1. Pumpen: Wenn man die Moeglichkeit hat, sollte man eine elektrische Pumpe mit einem Doppelset mieten. Wenn man beide Bueste gleichzeitig pumpt spart man natuerlich die Haelfte der Zeit und ausserdem wird die Milchproduktion besser angeregt. Mit dem Pumpen zu beginnen, sobald das Baby in Sicht ist, kann bedeuten, dass man vier Monate lang pumpt. Man braucht nicht haeufig nach einem Zeitplan zu pumpen. Man mache das, was einem moeglich ist. Wenn man anfangs nur zweimal taeglich pumpen kann, dann pumpe man eben nur zweimal, wenn man nur einmal am Tag und sechsmal waehrend den Wochenenden pumpen kann, dann ist das in Ordnung. Der Parner kann auch mithelfen, indem er die Brustwarzen stimuliert.
  2. Domperidone (siehe: "Domperidone"). Dieses Medikament kann die Milchbildung unterstuetzen. Es ist nicht notwendig, es einzunehmen, wenn man ein adoptiertes Baby stillen moechte, aber es wird dabei helfen, mehr Milch in kuerzerer Zeit zu haben. Es gibt kein 100%ig sicheres Medikament. Wenn man sich fuer diese Medizin entscheidet, dann nehme man 20 mg viermal taeglich. Man lese dazu bitte das oben erwaehnte Informationsblatt und wende sich an die Stillklinik.

    Durch das Pumpen und die Verwendung von Domperidone haben die meisten Adoptivmuetter innerhalb zwei bis vier Wochen begonnen, die ersten Milchtropfen zu produzieren.

    Wird man aber in der Lage sein, die gesamte, fuer das Baby notwendige, Milchmenge zu produzieren?

    Das kann sein, aber man verlasse sich nicht darauf. Wenig Muttermilch ist besser als gar keine. Falls es einem nicht gelingen sollte, sein adoptiertes Baby voll zu stillen, so gibt das Stillen sowohl der Mutter als auch dem Baby die Moeglichkeit eine besondere Beziehung zueinander aufzubauen.

Letzter Stand: Jaenner 98

Copyright Jack Newman MD FRCPC
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Uebersetzung von - Ulrike Schmidleithner
Die Originalseite in englisch findet man hier.


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