Was soll eigentlich bei der Flaschenmilch ungesund sein?


Der folgende Text wurde von mir urspruenglich an eine mailing-list geschrieben, ich glaube aber, dass er auch andere interessieren koennte


Industrielle Babymilch ist eine Protese, und nichts mehr, und sie sollte nur in wenigen, extremen Faellen verwendet werden, wo sie das geringere Uebel darstellt.

Die moeglichen Risiken des Nichtstillens ist von der Wissenschaft in hunderten von Untersuchungen belegt. Ihre Verwendung erhoeht die Wahrscheinlichkeit, dass das kuenstlich gefuetterte Baby entweder im Kindesalter oder als Erwachsener an einer den folgenden Krankheiten leidet: Allergien, insulinabhaengige Diabetis, Verdauungskrankheiten, Mittelohrentzuendung, Erkrankungen der Atmungsorgane, Multiple Sclerose, Herzkrankheiten, verschiedene Krebsarten, Kieferfehlstellung um nur einige zu nennen. Viele wissenschaftliche Untersuchungen haben eindeutig festgestellt, dass diese Wahrscheinlichkeit abnimmt, je laenger ein Kind gestillt wird. Aufgrund dieser Untersuchungsergebnisse empfehlen die Weltgesundheitsorganisation und die Unicef schon seit 1990, vier, besser sechs Monate voll zu stillen, bis zum zweiten Lebensjahr weiterzustillen und dann so lange, wie Mutter und Kind es moechten.

Es ist schade, dass man etwas so Natuerliches, in Millionen Jahren geprueftes wie das Stillen heutzutage immer wieder verteidigen muss, nur weil vor etwas mehr als hundert Jahren die Industrie ein gutes Geschaeft gerochen hat, und uns im Laufe von Jahrzehnten durch mehr oder weniger versteckte Methoden, (leider auch mit Hilfe von Aerzten), soweit gebracht hat, dass viele von uns gar nichts Ungewoehnliches mehr dabei finden, dass Babys und Kleinkindern mit einem Muttermilchersatzprodukt ernaehrt werden, die durch chemische Prozesse gelaufen ist, wobei ein totes, naturfernes Produkt herauskommt, das der Muttermilch nur aehnlich ist. Diesem kuenstlichen Nahrungsmittel fehlen viele wichtige Substanzen, die bis heute nicht imitiert werden koennen. Es enthaelt weder Enzyme, noch Wachstumshormone, noch viele der Substanzen, die speziell fuer den Wachstum des grossen menschlichen Gehirns notwendig sind, noch Antikoerper, noch lebende Zellen, ganz zu schweigen von den Inhaltsstoffen von denen die Wissenschaft heute noch nicht einmal weiss, welche Funktion sie haben und vieles mehr, alles Bausteine, die der sehr unreife Koerper eines Babys *braucht*. Die Muttermilch ist dem Blut erstaunlich aehnlich. Sie enthaelt jede Menge weisser Blutkoerper, die fuer den Immunschutz zustaendig sind. Der menschliche Organismus ist erstaunlich komplex und es ist sehr oberflaechlich zu glauben, eine so ansatzmaessige Imitation, wie es die Pulvermilch ist, sei gleichwertig. Unser Glueck ist, dass unser Koerper sehr anpassungsfaehig ist, aber in Wirklichkeit wissen wir noch viel zu wenig ueber die tatsaechlichen Ausmasse, die dieses Massenexperiment (systematische kuenstliche Ernaehrung der Babys), das seit Jahrzehnten skrupellos an uns vorgenommen wird, hat.

Stillen ist nicht unsere Pflicht, wie man es immer wieder hoert, sondern ein Kinderrecht (das Recht auf hoechstmoegliche Gesundheit). Jede Mutter sollte fuer dieses Recht kaempfen, aber stattdessen glauben einige, dass es ihr Recht sei, eine "informierte" Entscheidung zu treffen, ob sie stillen wollen, oder nicht. Das was ihnen als Recht vorgegaukelt wird, ist eine Taktik der Babynahrungsindustrie. Wer sich hingegen fuer unser Recht zum Stillen einsetzt, wird haeufig als "Fanatiker" abgestempelt.

Der Erfolg, den die Flaschennahrung zu verzeichnen hat, ist groessenteils darauf zurueckzufuehren, dass das Stillen nur als Methode angesehen wird, dem Kind Naehrstoffe zuzufuehren, und es wird als Alternative ein "fast so gutes" oder "genausogutes" Nahrungsmittel angeboten. Stillen hat aber noch viele andere genauso wichtige Funktionen, und die meisten davon werden dem Baby beim Flaschenfuettern vorenthalten.

Ich moechte hier nicht den Eindruck erweckt haben, dass ich Muetter, die ihre Kinder aus welchen Gruenden auch immer, nicht stillen, kritisiere, oder sie fuer weniger gute Muetter halte. Es ist nicht *das*, was eine gute oder eine weniger gute Mutter ausmacht. Wenn wir Frauen und Muetter nicht zusammenhalten, dann profitiert nur die Industrie davon. Nur wir sind *wirklich* am Wohlergehen unserer Kinder interessiert und es liegt an uns, uns gegen den riesigen Schwindel, dem wir seit Jahrzehnten ausgeliefert sind, zu wehren und uns nicht marionettenhaft manipulieren zu lassen.



© Ulrike Schmidleithner



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